Update: Dieser Artikel wurde zuletzt am 28.11.2019 aktualisiert.

PWAs sind aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken. In den Gesprächen, die ich mit Shop-Betreibern und E-Commerce Managern von Online-Shops führe, gibt es immer die große Frage: Wann kann ich denn endlich mein Frontend auswechseln? Und mit welcher Technologie?
In diesem Artikel werde ich Antworten auf diese Fragen geben, um zu klären, an welchem Punkt der „Frontend-Revolution“ wir gerade stehen und Tipps für den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel zu geben.

PWA – Was steckt hinter dem Buzzword?

PWA steht für Progressive Web App. Es ist derzeit in aller Munde, einige Konferenzen widmen dem Thema schon ganze Tracks. 2018 kam PWA als wichtiges Thema auch in der Magento-Welt an.

PWA als neue Frontend-Technologie wird der Standard der Zukunft sein! Quelle

Hrvoje Jurisic, 16.02.2018

Lead Frontend Developer, Inchoo

Hinter PWAs steckt eine ausgefuchste Technologie, die es ermöglicht, dass sich eine normale Website (fast) wie eine native App verhält. „Mobile First“ ist hier also nicht nur eine Worthülse, sondern der Grundsatz, auf dem alles aufbaut.

Die Vorteile sind zahlreich:

  • Offline-Modus – Die Webseite kann auch benutzt werden, wenn mal keine Verbindung zum Internet besteht
  • Responsive – PWAs sind, wie eingangs erwähnt, für mobile Geräte gedacht, daher auf allen Geräten nutzbar
  • Security – PWAs nutzen per se sichere HTTPS-Verbindungen
  • Home Screen Feature – PWAs können, wie native Apps, auf dem Startbildschirm des Mobilgerätes abgelegt werden – sozusagen ein ganz besonderes Lesezeichen
  • Geschwindigkeit – PWAs sind sehr schnell

Ist PWA für Ihr Projekt nun eine gute Idee?

Die Punkte oben hören sich alle gut an, aber ist die Investition in einen kompletten Neubau des Frontends gerechtfertigt? Den Return on Investment eines solchen Vorhabens muss sicherlich für jedes Unternehmen individuell angefertigt werden. Doch selbst Johannes Müller, bekannter Webmaster Trends Analyst von Google, hat gesagt, dass PWAs grundsätzlich keinen Vorzug bei den Suchergebnissen genießen und dass das auch nicht geplant sei.

Warum sollte man also wechseln?

PWAs currently don’t have any advantage in Google Search (and as far as I know, there are no plans to change this).
Quelle John Mueller

Webmaster Trends Analyst, Google

Zu den Vorteilen könnte ein Advocatus Diaboli Folgendes entgegnen:

  • Offline-Modus – ist für Kunden, die im Zug unterwegs sind, praktisch, aber sonst…?
  • Responsive – sind viele Shops jetzt schon
  • Security – HTTPS kann man auch ohne PWA auf allen Seiten einsetzen
  • Home Screen Feature – Ok, das mag für manche Shops sinnvoll sein, aber dort, wo Kunden einen Customer Life Cycle haben, der kein ständiges Vorbeischauen rechtfertigt, ist es von geringem Interesse
  • Geschwindigkeit – schön und gut, aber einige Shops haben durch Varnish und andere Caching-Mechanismen ihre Seiten bereits optimiert.

Ist PWA also wirklich eine gute Idee?

JA, es ist eine gute Idee aus folgenden Gründen:

  • Der Geschwindigkeitsvorteil ist immens wichtig. Varnish ist eine Symptombehandlung. Das Tool leistet gute Arbeit, aber es erschwert oder verhindert sogar, dass eine Personalisierung des Shops stattfinden kann. Mit einer PWA ändert sich die Ausgangslage. Meiner Meinung nach wird die Kombination aus Personalisierung und schneller Website, die mit PWA möglich ist, eine neue Ebene des Shopping-Erlebnisses erreichen, was zugunsten des Kunden und damit auch zugunsten des Umsatzes beim Shop-Betreiber ist. Außerdem: Da Google die Schnelligkeit einer Seite mit in das Ranking einbezieht, ist eine PWA indirekt doch wichtig für das Ranking.
  • Ja, der Offline-Modus mag auf den ersten Blick nicht allzu verlockend sein, aber gerade in Deutschland gibt es noch genügend Regionen, in denen das Netz nicht in stabiler Qualität verfügbar ist.
  • Responsive, Security und das Home Screen Feature sind für viele Shops nicht die höchste Priorität, doch kann man diese Benefits durchaus kostengünstig mitnehmen, wenn sowieso ein Relaunch ansteht.
PWA ist das, was Responsive Design vor ca. 5 Jahren war – der kommende Standard und indirekt auch Umsatztreiber für Online-Shops.

Sind wir schon in der Zukunft?

Update: Dieser Abschnitt wurde zuletzt am 28.11.2019 aktualisiert.

Wem es jetzt in den Fingern juckt sofort loszulegen, dem rate ich an dieser Stelle einmal durchzuatmen und genau zu prüfen, was für den eigenen Online-Shop nötig ist. PWAs sind insofern nicht mit Responsive Design vergleichbar, als dass es sich tatsächlich um ein „eigenes“ Softwaresystem handelt. Zumindest wenn es um E-Commerce geht, wird u.a. eine Art „Datenbank“ benötigt, in der Daten zwischengespeichert werden.

Das gesamte Frontend eines Online-Shops mit vielen Artikeln auf PWA-Basis zu bauen ist sehr viel komplizierter als zum Beispiel für eine „normale“ Webseite mit wenigen dynamischen Inhalten. Dazu braucht man ein „richtiges“ System.

Es gibt bereits jetzt mehrere Anbieter von PWA Software-Lösungen. Darunter PWA Studio von Magento, Falcon von Deity, ScandiPWA von ScandidWeb und VueStorefront von Divante. Die meisten sind noch nicht vollständig ausgereift und uneingeschränkt bereit für die Praxis. Wir haben uns einige Systeme etwas genauer angesehen und sind zu dem Entschluss gekommen, dass Vue Storefront derzeit am weitesten fortgeschritten ist.

Die Zahl der mit Vue Storefront umgesetzten Shops wächst, und nach einer Schulung sind auch wir bereit für den Praxiseinsatz in zwei Projekten. Zu welchem Ergebnis wir nach Abschluss der Projekte gekommen sind, werden wir Ihnen natürlich nicht vorenthalten und einen Testbericht im nächsten Jahr veröffentlichen.

Als größten Konkurrenten zu Vue Storefront sehen wir Magento selbst mit PWA Studio. Auch mit diesem System gibt es bereits erste Umsetzungen. Aktuell fehlt in unseren Augen jedoch die Umsetzung einiger grundlegender Magento-Funktionen. Dies wird sich mit Sicherheit in naher Zukunft ändern, denn laut Magento selbst wird PWA Studio 2020 vollumfänglich zur Verfügung stehen. 

Die Basis für mein PWA-Frontend? Magento!

Update: Dieser Abschnitt wurde zuletzt am 28.11.2019 aktualisiert.

Sie wissen, dass Sie weiterhin Magento als „richtige“ Software hinter der PWA-Lösung einsetzen wollen? Das ist grundsätzlich eine gute Wahl. Denn Magento 2 ist technologisch im Vergleich zwischen vielen E-Commerce-Anbietern geradezu prädestiniert für den Einsatz einer PWA, da die API-Abdeckung (und damit die Schnittstelle zwischen Shop-Backend und PWA-Frontend) umfassender ist als bei der Konkurrenz.

Was tun? Abwarten und Augen offen halten!

Update: Dieser Abschnitt wurde zuletzt am 28.11.2019 aktualisiert.

Als Fazit lässt sich sagen, dass es sinnvoll ist, ein PWA-Frontend für den Online-Shop zu nutzen. Wenn möglich, sollten Shop-Betreiber noch etwas warten, bis weitere Erfahrungen mit der Umsetzung gemacht wurden. Außerdem sollte vor Start des PWA-Projekts genau geprüft werden, welche Standardfunktionen von Magento im jeweiligen Shop genutzt werden und ob diese Funktionen von der gewählten PWA-Lösung unterstützt werden.

Hinweis: Dieser Artikel lebt.

Junge Technologien unterliegen der ständigen Weiterentwicklung. So soll es auch bei diesem Artikel sein. Er wird von mir von Zeit zu Zeit dem aktuellen Stand der Technik angepasst.

Christian Philipp

Autor: Christian Philipp

Christian Philipp ist Geschäftsführer und Projektleiter bei integer_net. Er hat an der RWTH Aachen Technische Redaktion studiert und im Anschluss vier Jahre in einer Internetagentur als Projektleiter, Entwickler und Schulungsdozent. Sein Fokus liegt auf dem Projektmanagement, Beratung und Konzeption.

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